ÜBER UNS – Selbstverständnis alt

Selbstverständnis alt

Ba|sis|Grup|pe Eman|zi|pa|ti|on: 1. links­ra­di­ka­le Grup­pe. 2. Be­für­wor­te­rIn­nen eines be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens, Exis­tenz­geld. 3. kämpft für Al­ter­na­ti­ven im Gro­ßen und Klei­nen 4. weiß das ein gutes Leben für Alle mög­lich wäre, aber nur jen­seits des Ka­pi­ta­lis­mus zu haben ist. 5. sieht für die Er­rei­chung ihrer heh­ren Ziele die Not­wen­dig­keit ra­di­ka­ler Ver­än­de­rung 6. ist über­zeugt das Be­frei­ung nur eine Kol­lek­ti­ve sein kann; glo­bal, gren­zen-​ und staa­ten­los.

Wir sind ein paar linke Leute aus Aschaffenburg (und Umgebung), die sich zusammengetan haben um auf lokaler Ebene aktiv zu werden. Einige von uns engagieren sich erst seit kurzem, andere sind schon seit Jahren aktiv. Die meisten unserer Mitglieder*innen sind Erwerbstätige, aber auch ein paar Studierende sind dabei.
Was uns eint ist die Lust am Leben und die Wut auf die Verhältnisse, welche der Umsetzung eines guten Lebens  entgegenstehen. Wir wissen das bereits heute die Möglichkeiten dafür vorhanden sind, es aber vielseitige und miteinander zusammenhängende Gründe dafür gibt wieso diese nicht eingelöst sind.

Als lohnabhängige Menschen, in einer der reichsten Industrienationen der Welt, sind wir selbst Ausgebeutete und Unterdrückte der Verhältnisse. Unter dem Diktat der Lohnarbeit sind wir von klein auf vereinnahmt, fremdbestimmt und getrieben von einer auf Wachstum und Profit ausgerichteten Ökonomie namens Kapitalismus. Dieser geht zum Wohle funktionierender Märkte über Leichen, zerstört unsere natürlichen Lebensgrundlagen und raubt uns unsere Lebenszeit. Das Ziel der kapitalistischen Wirtschaft ist es nicht, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern Geld zu vermehren, die Gewinne bis ins Unendliche zu steigern. Die Produktion ist zum Selbstzweck geworden.

Die überwiegende Mehrheit, die nichts besitzt außer ihrer Ware Arbeitskraft, ist zu einem geknechteten Dasein in Lohnsklaverei verdammt. Vom gesellschaftlich vorhandenen Reichtum profitieren nur Wenige.  Das System basiert auf Wettbewerb und Konkurrenz, es fördert und bedarf Diskriminierung, Abwertung und Ausgrenzung. Es setzt auf Individualisierung, Disziplinierung und Sanktion und benötigt zur Aufrechterhaltung Herrschaft in vielen Facetten. Dieses Konstrukt ist nicht  reformierbar und bedarf grundsätzlicher Umwälzung. Es geht uns also um nichts weniger als um die Abschaffung der Herrschaft, egal ob diese sich in persönlicher Abhängigkeit oder in Sachzwängen äußert. Herrschaft ist zwar mehr als Kapitalismus, aber der Kapitalismus ist das bisher entwickelteste, komplexeste und destruktivste System von Herrschaft. Doch gleichzeitig profitieren wir aber auch von diesen Zwangsverhältnissen und der Ausbeutung anderer. Unser relativer materieller Wohlstand hier zu Lande, setzt die Verarmung anderswo voraus. Das System ist so widersprüchlich wie komplex. Und unser Alltag ist so konditioniert, dass wir den Kapitalismus täglich reproduzieren und uns verhalten als gäbe es keine Alternativen. Doch diese Verhältnisse sind menschengemacht. Und somit können wir sie auch ändern! Deren Überwindung, hin zu einer Gesellschaft in der Solidarität und die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt des Handelns stehen und in der die freie Entfaltung aller möglich ist, ist unser Ziel.
Dieses Ziel, so utopisch es auch heute noch erscheinen mag, ist für uns nur global, grenzen- und staatenlos und jenseits vom Kapitalismus denkbar. Doch es gilt bereits jetzt, erste kleine Schritte in diese Richtung zu gehen. Und dazu gehört es auch, soziale Angriffe die darauf abzielen, die ohnehin beschissenen Verhältnisse weiter zu verschärfen,  abzuwehren und für die Verbesserung unserer Lebensverhältnisse und der Ausgangslage für weitere Kämpfe einzustehen. In diesem Kontext unterstützen wir die Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, der radikalen Arbeitszeitverkürzung, dem Ausbau sozialer Infrastruktur und der Abschaffung von Hartz IV. Diskriminierung und Ausgrenzung setzen wir Solidarität entgegen und machen uns für antirassistische und feministische Positionen stark. Wir tra­gen keine ideo­lo­gi­schen Scheu­klap­pen und arbeiten auch in Bündnissen mit, in denen der inhaltliche Konsens erst mal auf eine Aktion oder Kampagne beschränkt bleibt. Wir den­ken bei Re­vo­lu­ti­on und Kom­mu­nis­mus nicht an Guil­lo­ti­ne und DDR, schre­cken beim Be­griff An­ar­chie nicht zu­rück son­dern sehen in bei­dem eher an­zu­stre­ben­de Ge­sell­schafts­for­men, an wel­chen sich unser Han­deln ori­en­tie­ren soll. Um die­ses zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen nicht ein­fa­che Fern­ziel zu er­rei­chen, haben wir uns als Ba­sis­Grup­pe Eman­zi­pa­ti­on (BGE) zu­sam­men­ge­schlos­sen. Als BGE wol­len wir in Aschaf­fen­burg den Ver­such wagen, lang­fris­tig eine Grup­pe auf­zu­bau­en die vor Ort po­li­tisch in Er­schei­nung tritt, Stück für Stück wächst, somit zu­neh­mend Hand­lungs­fä­hi­ger wird und sich per­spek­ti­visch bun­des­weit mit an­de­ren Grup­pen or­ga­ni­siert.

Was wir so machen

Wir legen viel Wert auf Öf­fent­lich­keits­ar­beit und In­for­ma­ti­on, wes­halb wir re­gel­mä­ßig Vor­trags­ver­an­stal­tun­gen und Film­vor­füh­run­gen or­ga­ni­sie­ren. Aber auch die Wei­ter­bil­dung, durch in­ter­ne Dis­kus­sio­nen und Se­mi­na­re, ist uns wich­tig.
Dar­über hin­aus neh­men wir an De­mons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen teil und or­ga­ni­sie­ren, wenn es uns not­wen­dig und sinn­voll er­scheint, auch ei­ge­ne. Ak­tio­nen der Ver­wei­ge­rung und des zi­vi­len Un­ge­hor­sams, wie wir sie bei Block­u­py Frank­furt er­pro­ben, Streiks und an­de­re For­men so­zia­ler Kämp­fe hal­ten wir für wirk­sa­me Mit­tel, um für die Ver­bes­se­rung un­se­rer Le­bens­be­din­gun­gen zu kämp­fen. Gleich­zei­tig sind dies An­sät­ze zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, die wir für die Durch­set­zung un­se­rer ei­ge­nen In­ter­es­sen für zwin­gend not­wen­dig hal­ten. Diese sol­len je­doch kein Selbst­zweck sein. Wir leh­nen Ak­tio­nis­mus ab und den­ken dar­über hin­aus, dass es mehr als öf­fent­li­che Un­muts­äu­ße­run­gen Be­darf, um ef­fek­tiv ein­grei­fen und die Ver­hält­nis­se än­dern zu kön­nen. Ka­pi­ta­lis­mus, Herr­schaft und Un­ter­drü­ckung kön­nen nicht weg­de­mons­triert wer­den.

Wir wol­len wach­sen!

Der ge­sell­schaft­li­che Nor­mal­zu­stand, mit all sei­nen Kri­sen und Irr­sin­nig­kei­ten, bie­tet mehr Kon­flikt­punk­te, als dass wir über­all mit­mi­schen könn­ten. Wir haben zwar eine Menge guter Ideen und zu vie­lem eine Mei­nung, sind aber noch zu We­ni­ge, um über­all da aktiv zu wer­den, wo wir es für nötig hal­ten.
Daher freu­en wir uns über Men­schen, die Lust auf theo­re­ti­sche wie prak­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen haben, um sich mit uns gegen die Zu­mu­tun­gen des All­tags zu weh­ren und für Al­ter­na­ti­ven im Gro­ßen und Klei­nen zu kämp­fen.

Wenn dir also die Ver­hält­nis­se, in denen du lebst als grund­ver­kehrt oder un­ge­recht er­schei­nen, du denkst, dass die Dinge ver­än­dert wer­den müs­sen und du Leute suchst, mit denen du ge­mein­sam aktiv wer­den kannst, dann nimm doch Kon­takt zu uns auf. Ent­we­der kannst du uns bei einer Ver­an­stal­tung an­spre­chen oder eine Email schrei­ben.

Bei uns gibt es aber keine feste Mit­glied­schaft im ei­gent­li­chen Sinne. Wer auf der Suche nach Ver­eins­meie­rei ist wird bei uns nicht glück­lich wer­den. Was zählt ist die Teil­nah­me an un­se­ren re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen (meis­tens unter der Woche abends) und die Be­reit­schaft sich aktiv an Dis­kus­sio­nen und Ak­tio­nen zu be­tei­li­gen. Zudem soll­test du In­ter­es­se an theo­re­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung haben, wozu auch mal das Lesen von län­ge­ren Tex­ten und Bü­chern ge­hört. Eman­zi­pa­to­ri­sche Ver­än­de­rung braucht die Be­tei­li­gung vie­ler und be­ginnt im Klei­nen, von unten, an der Basis.

Wie wir uns or­ga­ni­sie­ren

Grund­sätz­lich sind wir für alle, die In­ter­es­se an lin­ker Po­li­tik haben, offen. Unser un­dog­ma­ti­scher An­spruch be­deu­tet aber nicht Be­lie­big­keit. Wir be­trach­ten or­ga­ni­sier­te po­li­ti­sche Ar­beit auch nicht als rei­nen Zeit­ver­treib, son­dern er­war­ten von­ein­an­der ver­bind­li­ches und kol­lek­ti­ves Ver­hal­ten. Hier­zu ge­hört auch nach den je­wei­li­gen Mög­lich­kei­ten Ver­ant­wor­tung und Ar­bei­ten zu über­neh­men und die Grup­pe auch nach außen zu ver­tre­ten. Wir sind ba­sis­de­mo­kra­tisch or­ga­ni­siert. Un­se­re Voll­ver­samm­lun­gen sind der Ort, um in­halt­li­che De­bat­ten zu füh­ren, die die ge­sam­te Grup­pe be­tref­fen, um ge­mein­sa­me Po­si­tio­nen zu be­stim­men und die Pra­xis zu re­flek­tie­ren.

Wir ver­su­chen un­se­re Tref­fen so zu ge­stal­ten, dass auch Leute mit be­ruf­li­chen und fa­mi­liä­ren Ver­pflich­tun­gen teil­neh­men kön­nen. Das be­deu­tet aber nicht, dass die Grup­pe nicht auch Platz (und Be­darf) für die­je­ni­gen hat, die mehr Zeit und En­er­gie in die po­li­ti­sche Ar­beit in­ves­tie­ren kön­nen und wol­len. Wir sind uns der Ge­fahr einer Ver­selbst­stän­di­gung der Ak­ti­ve­ren be­wusst, wes­halb wir dies in der Grup­pe re­flek­tie­ren und eine höchst­mög­li­che Trans­pa­renz für alle Mit­glie­der wah­ren möch­ten.

Uns selbst ist klar, dass au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Po­li­tik zeit­auf­wen­dig und ner­ven­auf­rei­bend ist. In einer Zeit ver­meint­li­cher Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit, zu den herr­schen Ver­hält­nis­sen, er­scheint das Fest­hal­ten am Ideal einer frei­en und herr­schafts­lo­sen Ge­sell­schaft uto­pisch. Wir glau­ben auch nicht, dass die au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Linke kurz­fris­tig etwas Gro­ßes rei­ßen kann. Und in zu­neh­mend pre­kä­ren Zei­ten wird es auch nicht leich­ter Men­schen für ver­bind­li­che, po­li­ti­sche Ar­beit zu be­geis­tern. Doch sehen wir dies als Not­wen­dig­keit an, um ein gutes Leben für Alle zu er­strei­ten.

Eman­zi­pa­to­ri­sche Ver­än­de­rung fällt nicht vom Him­mel, son­dern muss er­kämpft wer­den – und dafür be­nö­tigt es einen lan­gen Atem. Die für Be­frei­ung not­wen­di­ge ge­sell­schaft­li­che Ge­gen­macht be­nö­tigt, neben spon­ta­nen so­zia­len Kämp­fen und Be­we­gun­gen, eben auch lang­fris­ti­ge und kon­ti­nu­ier­li­che Or­ga­ni­sie­rung. Die Ba­sis­Grup­pe Eman­zi­pa­ti­on ist unser Ver­such damit im Klei­nen zu be­gin­nen.

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